“billy talent - 18.2.06 alsterdorfer sporthalle hamburg - support: enter shikari” steht auf der karte, die ich kurz vor unserer ankunft in meinen händen halte. wir, das sind 4 neustädter in der zum verirren großen stadt hamburg. dank der tapferen kleinen lisa - dem navigationsgerät - haben wir natürlich prompt den weg gefunden und sind nach 1 1/2 stunden autofahrt inklusive diskussion, ob egotronic musik sei und was denn hier so stinkt, endlich an der halle. auf der suche nach einem parkplatz fahren wir die überfüllte straße neben der halle runter. links und rechts ist alles - teilweise sehr idiotisch und unsolidarisch - zugeparkt. als wir das ende der straße erreichen halten wir kurz. absperrung. diese arschlöcher. wir drehen um und kämpfen uns zurück. auf dem weg öffnet unser fahrer sein fenster und versucht autofahrer darauf aufmerksam zu machen, dass man am ende nicht weiterkommt, was natürlich keinen sonderlich großen effekt hat.
auf den bürgersteigen links und rechts gehen jede menge jugendliche. wahlweise in ringelpullis, billy talent-t-shirts oder schlichtem schwarz. schon hier bestätigen sich zunächst meine vorahnungen was das publikum an diesem abend angeht. aber was will man auch bei so einer band erwarten? mir fällt auf, dass der großteil der kids recht jung ist. geschätzter altersdurchschnitt: 14. naja, nicht ganz. aber oft. in dem alter bin ich noch gar nicht auf konzerte gegangen.
wir werden auf den parkplatz direkt unten an der sporthalle aufmerksam - dass man da noch nicht früher dran gedacht hat - und finden auch prompt den weg, der darauf führt. eine autorangiererei, 4 schlucke wasser, ein paar schritte und eine zigarette später stehen wir vor der halle. einige leute vor uns werden von den sicherheitsmännern wieder weggeschickt. vermutlich weil sie unter sechzehn und ohne begleitung da sind. aber eben nur vermutlich. wir werden abgetastet, zeigen unsere karte vor, sind drinnen und beschließen nach einem kurzen toilettengang und dem ablegen unserer sachen in den konzertraum zu gehen.
im konzertraum findet anscheinend grade eine h&m-modeschau statt. wir sind umgeben von einer menschenmasse, die größtenteilst aus lauter kleinen emo-verschnitten und ein paar gut draufen hurricane-ultras besteht. wir stellen uns unten ander tribüne in der mitte der halle hin und warten auf die erste vorgruppe: enter shikari neben uns steht eine gruppe schwarzhaariger mit pony vor dem auge. ich hege schon den verdacht, dass sie noch nicht mal wissen, was das wort “emo” überhaupt bedeutet, geschweige denn, was emo eigentlich ist, da hör ich wie plötzlich einer den anderen fragt: “sag mal, was ist eigentlich ein moshpit?” ich resigniere, zünde mir eine zigarette an und lasse meinen blick über die tribüne schweifen. die tribüne scheint heute abend der ort zu sein, die zu 80 % von eltern und ganz jungen teenies besetzt ist. warum das so ist, spricht wohl für sich.
das licht geht aus und aus den lautsprechern, aus denen eben noch die angenehme musik von jimmy eat world strömte, tönt nun etwas lautere, techno-ähnliche ‘musik’. ein paar hyperaktive gestalten springen auf die bühne und laufen wild rum. einer hat eine art headset auf, das durchgehend blau blinkt. die anderen personen haben ähnliche dinge an ihren fingern. auch gitarre und bass wurden durch etwas vergleichbares “verschönert”. plötzlich fängt der kopfhörer-mensch an zu dem computer-krach ins mikro zu kreischen, dann sagt er kurz irgendwas. ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, aber vermutlich war es sowas wie: “hi, wir sind enter shikari. wir sind verdammt scheisse, aber wir dürfen jetzt trotzdem 45 minuten lang eure ohren quälen”. es folgt eine dreiviertelstunde lang ein mix aus gekreischtem emo-core und techno-beats. also die wohl eigenartigste und schlechteste kombination, die ich je erlebt habe. was den ganzen auftritt jedoch endgültig ins lächerliche gestürzt hat, war wohl der drummer, der nicht nur auf sein set gehämmert, sondern es regelrecht verprügelt hat - mit dem elan und der mimik wie jim carrey auf speed. nicht, dass ich das jemals erlebt hätte. aber genau so stell ich mir das vor.
nachdem das ganze sein ende gefunden hat, tippt mir plötzlich jemand auf die schulter. ich drehe mich um und sehe meine schwester vor mir stehen. sie stand die ganze zeit 5 meter hinter mir. und das, obwohl wir getrennt hingefahren sind und uns nicht abgesprochen haben. sachen gibts… naja, sie hat sich über den auftritt recht gut amüsiert, muss sich aber dauerhaft auf eine stufe an der tribüne stellen, damit sie mit ihren geschätzten 1,65 überhaupt die bühne sehen kann. ich stelle mir vor, wie nervig das sein muss, freue mich über meine 1,86, mit denen ich super alles sehe und im nächsten moment gehen auch schon wieder die lichter aus.
alexisonfire - die band, auf die ich mich schon die ganzen tage gefreut hatte - kommen auf die bühne und legen auch gleich los. von “drunks, lovers, sinners and saints” über “boiled frogs”, “this could be anywhere in the world” und “water wings (and other pool side fashion faux pas)” bis hin zu “accidents are on purpose” spielen sie alles, was mein herz begehrt. wer - wie ich - eine vorliebe für dicke, pummelige gitarristen, die stylish gekleidet sind, und sänger, die nur in extrem kurzer jeans und schuhen auftreten, hat, muss diesen auftritt auch optisch einfach gemocht haben.
als sie fertig sind, bin ich eigentlich schon zufrieden gestellt und könnte jetzt bereits nach hause fahren. meine lust auf billy talent hatte die letzten monate seit ich die karte gekauft hatte, ohnehin stetig abgenommen.
das licht wurde wieder heller und prompt laufen uns noch 2 (ex-)neustädter über den weg. nachdem alle auf dem klo waren, um einen kräftigen schluck aus dem wasserhahn zu nehmen - ausser meiner dümmlichen wenigkeit -, liefern wir unsere sachen bei meiner schwester ab und kämpfen uns schonmal näher vor die bühne.
billy talent fangen an zu spielen und in den ersten liedern geht es im pogo-mob erst mal rund. ich bin stark überrascht. ich hatte erwartet auf kreischende teenies zu treffen, die nicht im traum daran denken würden zu pogen. aber umso besser. als die ersten lieder gespielt sind, beschließe ich aufgrund massiven durstes noch so lange im pogo zu bleiben, bis sie “red flag” spielen, und mich dann kurz aufs klo zu verpissen (wie doppeldeutig).
die show läuft und läuft. ich tanze und singe sogar bei jedem lied mit. ich glaube es selbst kaum, dass ich die ganzen texte dieser band überhaupt noch kann, nachdem ich sie schon seit einem halben jahr aus meinem musikgeschmack praktisch verbannt hatte. dennoch habe ich meinen spa. als billy talent schließlich von der bühne gehen war ich immer noch nicht auf dem klo und “red flag” wurde auch noch nicht gespielt.
es gibt genau eine einzige zugabe bestehend aus 4 oder 5 liedern. und wie es der zufall will, ist “red flag” natürlich das allerletzte lied. dumm gelaufen für meinen durst. allerdings hab ich so die ganze show gesehen, was schließlich auch seine vorteile hatte.
im anschluss treff ich nach und nach die anderen wieder. wir holen uns eis und setzen uns kurz hin. anschließend gehen wir zum auto und fahren nach einigen verzögerungen, wie langen autoschlangen und lahmarschigen männern los in richtung unseres kleinen kaffs.
~joss
mood: nice. // music: at the drive-in - quarantined